Usability-Experte Steve Krug hat in seinem Buch „Don’t make me think“ sehr plastisch zwei Nutzertypen beschrieben: Auf der einen Seite stehen die User, die auf eigene Faust durch Herumklicken versuchen, ans Ziel zu kommen („Link-dominante“ User). Über diese Nutzer haben wir im Rahmen der vergangenen Usability-Tipps schon viel gehört. Es gibt aber auch eine weitere Nutzergruppe, die sofort und unverzüglich die Suchfunktion ansteuert („such-dominante“ User). Diese Betrachtung stammt ursprünglich von Usability-Guru Jakob Nielsen, aber Krug hat einen tollen Vergleich aus dem realen Leben genutzt:

Szenarien aus dem Baumarkt – und dem Netz

Die Link-Dominanten sind diejenigen, die durch den Baumarkt laufen, um auf eigene Faust das Gewünschte zu finden. Die Such-Dominanten dagegen suchen nicht das Gewünschte, sondern den nächstbesten Mitarbeiter, damit er ihnen zeigt, wo es steht. Auch, wenn ich glaube, dass im Netz künftig zunehmend mehr link- als such-dominante Menschen unterwegs sein werden, sollten Sie Ihnen dennoch in keinem Fall den Mitarbeiter vorenthalten.* Zumal er auch für viele Link-Dominante die letzte Hoffnung vor dem entnervten Aufgeben darstellt.

Drei wichtige Merkmale einer Suche

Ich möchte den Vergleich mit dem Baumarkt noch weiter fortführen: Was macht einen guten Mitarbeiter im Baumarkt aus? Er soll präsent und als solcher erkennbar sein, damit man ihn überhaupt ansprechen kann. Zudem muss er die Kundenwünsche verstehen und natürlich wissen, wo das gewünschte oder passende Produkt steht. Alle drei Aspekte sind auch bei der Integration einer Suchfunktion essenziell:

1. Platzierung, Gestaltung, Bezeichnung:

Die Suche wird von den meisten Usern im oberen rechten Seitenbereich erwartet. Zudem sollte sie sich deutlich von anderen Seitenelementen unterscheiden und unmissverständlich mit „Suche(n)“ bezeichnet werden, damit sie jeder User sofort als solche erkennt.

2. Intuitive Bedienbarkeit:

Wenn Punkt 1 erfüllt ist, reicht heutzutage schon ein leeres Eingabefeld mit einem Los-Button daneben, damit der User die Suche intuitiv nutzen kann (dieser funktioniert laut FACT-Finder-Studie besonders gut). Vorschlagfunktionen helfen dabei, schneller ans Ziel zu kommen. Ein Filter kann sich positiv auf die Usability einer Website auswirken, sollte aber möglichst unkompliziert gestaltet werden. Eine Zusammenstellung wichtiger Kriterien für Produktsuchen mit Filter finden Sie zum Beispiel im eResult-Artikel „Der schnelle Weg zum Produkt“.

3. Gesuchtes finden:

Intuitives Finden und Bedienen der Suche nützt nur etwas, wenn die Suche auch die entsprechenden Ergebnisse liefert. Ganz gleich, ob der Nutzer Tippfehler macht, Worte umstellt oder Synonyme nutzt: er muss fündig werden. Sie erwarten ja auch, dass der Baumarkt-Angestellte Sie versteht – selbst wenn Sie kein Heimwerkerkönig sind, der alle Fachbegriffe auswendig weiß.

*  Laut einer Studie „Erwartungskonforme Website-Gestaltung“ von eResult erwarten User immer seltener eine Suchfunktion. Waren es 2003 noch 81,4 %, waren es in 2009 nur noch 71,8 %. In einigen Bereichen (zum Beispiel bei Online-Shops) dürfte die Bedeutung der Suche natürlich wesentlich höher ausfallen.