In vielen Social Media Studien wurden die deutschen Web-User als „rückständige Netzwerker“ entlarvt. Doch nur, weil Social Network Funktionen in Deutschland noch weniger intensiv genutzt werden als in anderen Ländern, bedeutet dies nicht, dass die Markenkommunikation in sozialen Medien hierzulande fehl am Platz ist. Die deutsche Nutzerschaft bietet sogar optimale Voraussetzungen für eine Social Media Strategie.

Sie sind zurückhaltender bei der Verwendung von Social Media Funktionen, stellen nicht besonders viele Inhalte online, haben ständig Angst um ihren Datenschutz und beteiligen sich seltener an Online-Communities als andere: die deutschen Internetnutzer sind nicht einfach – aber eine lohnenswerte Zielgruppe. Hier kommen fünf Gründe für eine Social Media Strategie in Deutschland:

1. Wachstum und Beliebtheit auch hierzulande gegeben

Obwohl es einige Länder gibt, in denen Social Media intensiver genutzt werden, ist auch in Deutschland ein klarer Aufwärtstrend zu erkennen. Gaben vor zwei Jahren noch 27,2 % der Internet-User an, in den letzten 6 Monaten ein Social Media Profil gemanagt zu haben, waren es in diesem Jahr laut der Social Media Studie “Wave 5” bereits 37,8 %. Facebook, YouTube, Wikipedia, Twitter, Xing und Studivz gehören laut dem Serverdienst Alexa.com zu den Top 20 der beliebtesten Websites Deutschlands – das bedeutet bei 30% der 20 meistgenutzten Websites handelt es sich um Social Media.

2. Enorme Zielgruppe bereits vorhanden

Rund 30 Millionen Deutsche sind laut einer Erhebung des IT-Branchenverbandes Bitkom bei mindestens einer Internetgemeinschaft angemeldet. Spiegel Online meldete: Bereits jeder 10. Deutsche ist Facebook-Mitglied. Somit hat das Netzwerk bereits über 9 Mio. gesammelt – und die Anzahl wächst stetig weiter, trotz Datenschutz-Debakeln. Die VZ-Gruppe weist insgesamt ca. 15 Millionen Mitglieder auf (6 Millionen studiVZ, 5,5 Millionen Schüler im SchülerVZ, 4 Millionen Nutzer bei MeinVZ). Und auch RTL-Interactive-Tochterunternehmen “Wer-kennt-wen” kann laut eigenen Angaben bereits 8,5 Mio. Mitglieder für sich verbuchen.

3. Große Marken machen es vor

Die großen Marken haben das Prinzip verstanden: Auch, wenn nur 5% der deutschen Unternehmen eine umfassende Social Media Strategie aufweisen, nutzen laut einer aktuellen Studie der Universität Oldenburg/construktiv bereits 60% der 100 größten Marken in Deutschland aktiv soziale Medien.  Twitter ist dabei der beliebteste Social Media Dienst und wird von insgesamt 39% der Marken genutzt – gefolgt von YouTube mit 37%, Facebook mit 28% und Corporate Blogs mit 12%.

4. Qualität statt Quantität

Ca. 20% der deutschen 16- bis 54-jährigen Internetnutzer, die bei der Social Media Studie “Wave 5” befragt wurden, sind schon einmal einer Brand-Community beigetreten. Und das Beste daran: Anders als bei anderen Nationen wie Asien oder Latein Amerika treten die Social Media Nutzer in Europa den Marken-Communities nicht vorzugsweise aus Imagegründen oder auf Empfehlung bei, sondern mit der Hauptmotivation, über das Unternehmen und neue Produkte informiert zu bleiben. Insbesondere in Deutschland steht diese Intention an erster Stelle (s. auch Artikel in W&V) Beste Voraussetzungen für wirklich effektives Networking: Denn was hat ein Unternehmen von 5.000 Fans bei Facebook, wenn die Mehrheit davon nur die Empfehlung eines Bekannten nicht ausschlagen wollte, oder wenn sich die User nur mit einer Marke schmücken möchten, ohne einen Produktkauf in Erwägung zu ziehen?

5. Deutsche sind Feedback-freudig

Aber es kommt noch besser: Die deutschen Mitglieder von Marken-Communities sind nicht nur wirklich interessiert, sie sind auch willig, dem Unternehmen zu einer Verbesserung zu helfen: “Verbraucher äußern nach Informationen von Gunnar Sohn, Chefredakteur des Online-Nachrichtendienstes „Neue Nachricht“, blitzschnell ihre Meinung über die Qualität von Produkten und Services sowie über das Image einer Firma.” (absatzwirtschaft.de) Und die Social Media Studie der Universität Oldenburg/construktiv ergab sogar: je mehr ein Unternehmen über Social Media Kanäle kommuniziert, desto mehr belohnen die Deutschen dies mit Resonanz.

Man sieht also: Auch wenn deutsche User auf den ersten Blick vielleicht zurückhaltender scheinen als andere, wenn es um die Nutzung von Social Media Funktionen geht, muss dies nicht bedeuten, dass Unternehmen sich die Social Media Strategie in Deutschland sparen können. Im Gegenteil, gerade hier könnten die Effektivität und das Kosten-Nutzen-Verhältnis enorm positiv ausfallen.